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Bibliothèque Municipale de Lyon - Collections numérisées |
| Nr. 25 / 2003 |
| Resümee: | Die BML stellt mehrere Datenbanken zur Verfügung, die den Zugriff auf Handschriften, Drucke, Stiche und weiteres Quellenmaterial ermöglichen. |
| URL: | http://www.bm-lyon.fr/ |
| Kategorie: | Digitale Editionen |
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Wer nach digitalisierten französischsprachigen Bibliotheksbeständen recherchieren will, denkt sicherlich zunächst einmal an das große Gallica-Projekt, das an der Bibliothèque nationale in Paris angesiedelt ist. Dass nicht nur in der Kapitale Digitalisierungsprojekte vorangetrieben werden, zeigt das Beispiel der "Bibliothèque municipale de Lyon" (BML). In dieser städtischen Einrichtung werden in mehreren Teilvorhaben wichtige Bestände mit Hilfe von Datenbanken erschlossen und in Form grafischer Reproduktion der Materialien online dokumentiert. Die Wurzeln der BML reichen zurück bis ins 16. Jahrhundert, und da die Bestände seit dieser Zeit kontinuierliche Zuwächse erfahren haben, verfügt die Bibliothek über einen beachtlichen Materialfundus spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Provenienz. 1999 wurde dieser Fundus nochmals deutlich erweitert, als die BML zum Depot für die etwa 500.000 Bände umfassende jesuitische Sammlung der "Bibliothèque des Fontaines" wurde. Zu den digitalisierten Beständen führt der Link Collections numérisées auf der BML-Startseite. Zunächst erhält man einen knappen Überblick über die Inhalte von sechs Datenbanken, von denen hier drei kurz vorgestellt werden sollen. Hinter der "Base Enluminures" verbirgt sich eine Sammlung von Handschriften, Inkunabeln und Drucken des Mittelalters und des 16. Jahrhunderts. Zur Zeit sind 457 Dokumente mit ca. 12.000 Abbildungen vertreten. Den Löwenanteil dieser Sammlung machen Drucke und Handschriften des 15. Jahrhunderts aus, aber auch das 16. Jahrhundert ist gut vertreten. Das zweite Angebot mit Frühneuzeit-Bezug findet sich in der "Base Estampes", die zu einem Nachweissystem der mehreren zehntausend im BML-Besitz befindlichen Stiche weiterentwickelt werden soll. Da zunächst Material des 16. Jahrhunderts eingearbeitet wurde, finden sich bereits Kunstwerke von Brueghel, Dürer oder Cranach. Einer der besonders reichhaltig dokumentierten Künstler ist André Thevet, aus dessen 1584 erschienenen "Portraits et vies des hommes illustres" über 100 Stiche dokumentiert werden. Schließlich findet sich noch die "Base Provenance des livres anciens", in der Besitzvermerke alter Handschriften und Drucke erfasst werden. Im Endausbau verspricht diese Datensammlung eine ergiebige Quelle der Buchgeschichte im besonderen wie auch der Konfessions-, Ideen- und Kulturgeschichte im allgemeinen zu werden. Die Datenbanken fußen auf der gleichen technischen Basis, so dass - bei aller Unterschiedlichkeit der verfügbaren Suchfelder - die Rechercheoptionen in der "Base Estampes" exemplarisch vorgestellt werden können. Über den Link connexion à la base Estampes erreicht man die Suchmaske, die hier aus sieben Feldern (Künstlername, künstlerischer "Schul"-Zusammenhang, Titel, Datierung, Technik, Schlagworte, Signatur) sowie einer Suchmöglichkeit über sämtliche Felder gleichzeitig besteht. Erfreulich ist, dass für alle Felder ein Index bereitgehalten wird, so dass man sich zunächst anzeigen lassen kann, welche Schlagworte oder Datierungen überhaupt verfügbar sind. Bei der Vergabe der Schlagworte ("Descripteurs") wurde eine vereinfachte Version des 1984 von François Garnier publizierten "Thesaurus iconographique" angewendet. Diese Entscheidung führt zu einem überschaubaren Angebot an verfügbaren Begriffen, doch wird damit auch auf die feinen Differenzierungsmöglichkeiten verzichtet, die das etwa beim Bildarchiv Foto Marburg verwendete Iconclass-System bietet. Hat man nun im Index des Schlagwortfelds den Begriff "livre" entdeckt, wird automatisch nach dem Anklicken der Begriff in das Suchfeld eingetragen. Anschließend kann man zwischen zwei Buttons für den Recherchestart wählen: Tableau führt zu einer Listendarstellung, in der Signatur, Künstler, Titel und Datierung der einzelnen Werke aufgeführt sind, nebst einer Thumbnail-Darstellung des Bildes. Ist man eher an einem visuellen Zugang zum Material interessiert, wählt man den Button Mosaïque, bei dem größere Thumbnails sowie die jeweilige Signatur gezeigt werden. Das Schlagwort "livre" führt uns zu zahlreichen Portraits des bereits erwähnten André Thevet, in denen Theologen, Fürsten und Wissenschaftler mit einem Buch attribuiert werden. Interessiert man sich z. B. für das Konterfei des berühmten Universalgelehrten Guillaume Budé, führt ein Klick auf die Signatur zu genauen bibliographischen Angaben. Die Abbildung selbst kann in zwei Vergrößerungsstufen abgerufen werden: Die größere Variante des Budé-Portraits ("Haute resolution") ist eine JPG-Datei mit etwa 400 KB von hoher Qualität, während es sich bei der kleineren Version ("Plein écran") um eine 60 KB-Datei im gleichen Grafikformat handelt, die zumindest einen passablen Gesamteindruck des Stichs vermittelt. Bei der Navigation durch die Indexlisten oder die Suchergebnisse ist gelegentlich etwas Geduld notwendig, doch bei spezifischen Anfragen halten sich die Treffermengen und damit die Navigationsprobleme in Grenzen. In allen Suchmasken wird der Link Aide angeboten, über den Informationen zu den Suchoptionen vermittelt werden. Der Link Opérateurs ermöglicht die Feinsteuerung von Suchanfragen, bei denen mehrere Begriffe in verschiedenen Feldern miteinander kombiniert werden. Zwar sind alle drei hier vorgestellten Datenbanken noch im Aufbau begriffen, aber die hohe Qualität der Abbildungen, die gute Erschließung und die differenzierten Suchmöglichkeiten machen diese Seiten schon jetzt unbedingt beachtenswert. [Gregor Horstkemper, 23. Juni 2003] |
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